Werner Windisch _ SEHSTÜCKE
Werner Windischs abstrakte Werke entstehen in einem Zustand reinen Fühlens - aus dem, was bleibt, wenn Absicht verstummt. Im Daoismus heißt dieser Zustand Wu Wei – müheloses Wirken, Handeln ohne Anstrengung, ein Fließenlassen dessen, was von selbst geschieht. Der Pinsel folgt nicht dem Willen, sondern dem Atem des Augenblicks. Er lässt los, anstatt zu greifen. Er malt, indem er nicht malt. Diese Werke wollen nichts erklären, nichts erzählen, nichts beweisen. Und genau darin liegt ihre Einladung: indem sie nichts Bestimmtes zeigen, öffnen sie Raum für das, was der Betrachter mitbringt. Das große Thema der Ausstellung SEHSTÜCKE ist das Sehen selbst – nicht das schnelle Erkennen, das Zuordnen, das Benennen –, sondern ein langsames, stilles, fast ursprüngliches Schauen. Ein Sehen, das erst entsteht, wenn der Betrachter auf sich selbst zurückfällt. Wenn die gewohnten Projektionen verblassen und das Innere sich im Äußeren zu erkennen beginnt. Die leeren Räume, die zögernden Spuren, die stillen Schichtungen – sie sind keine Lücken. Sie sind gelebte Gegenwart.
Wie das xu (die dynamische Leere) der daoistischen Tradition: nicht Abwesenheit, sondern Fülle im Modus des Noch-nicht-Gestalteten, der wartenden Möglichkeit, des unendlich Empfänglichen. Tritt ein. Lass das Sehen geschehen. Was du in diesen Bildern findest, war nie in ihnen angelegt – es war in dir. Und vielleicht ist genau das der leise Wink: das Dao zeigt sich am klarsten dort, wo niemand mehr sucht.
Willkommen.
Dietrich Roeschmann im Gespräch mit Werner Windisch
Mittwoch, 11. Februar um 19 Uhr
Im Rahmen der Ausstellung SEHSTÜCKE lädt die Galerie zum Künstlergespräch zwischen Dietrich Roeschmann und Werner Windisch ein. Dietrich Roeschmann ist freier Journalist, Autor und Kritiker mit kulturellen Schwerpunkten. Er ist als Autor bei artline.org und der Badischen Zeitung mit vielen Rezensionen aus dem Kunst- und Kulturbereich tätig.